Die Evangelische Kirche in Schleswig-Holstein heute - Bischof Gerhard Ulrich
In dem Land zwischen den Meeren und unter der Weite des Himmels ist auch die Evangelische Kirche mit und für die Schleswig-Holsteiner Bürgerinnen und Bürger da. Sie ist mit ihren Gottesdiensten, Amtshandlungen, Besuchen, Bildungsangeboten, sozialen Diensten, der Kirchenmusik und anderen Bereichen an vielen Orten präsent: teils im Verborgenen, wie bei einem Besuch bei Trauernden, teils öffentlich, wie auf dem Schleswig-Holstein-Tag; teils in Dörfern wie Brodersby an der Schlei, teils in den großen Städten wie Kiel oder Lübeck. Aber an allen Orten sind die Kirchenmitglieder miteinander durch den gemeinsamen Auftrag verbunden, das Evangelium von Jesus Christus als dem Herrn und Heiland der Welt in Wort und Tat zu verkündigen. Wenn ich in diesem Beitrag etwas über das Leben und Arbeiten der evangelischen Christinnen und Christen in Schleswig-Holstein schreibe, dann schreibe ich auch über die Mitglieder unserer Kirche in Hamburg. Denn die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche umfasst auch das Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg. Außerdem gehört die Nordschleswigsche Gemeinde der deutschen Minderheit in Dänemark zu uns.
Die 2,1 Millionen Mitglieder der Nordelbischen Kirche bringen sich auf vielfältige Weise in ihre Kirche vor Ort, im Kirchenkreis oder in einen übergemeindlichen Dienst ein. Dabei ist Kirche nicht auf sich selbst bezogen, sondern immer für alle Menschen im Land da. Getragen wird unser Leben und Arbeiten durch das Gebet und die finanziellen Gaben unserer Mitglieder sowie durch das ehrenamtliche Engagement von 65 000 Menschen und die Arbeit von mehr als 16 000 Hauptamtlichen. Sie engagieren sich beispielsweise in der Jugend- oder Seniorenarbeit oder tragen gemeinsam Verantwortung in den Vorständen der 593 Kirchengemeinden und elf Kirchenkreise. Sie gestalten in den Kirchengemeinden und Einrichtungen Gottesdienste, sind bei freudigen und traurigen Ereignissen den Menschen nahe, zeigen in den evangelischen Kindertagesstätten den Kindern, wie wunderbar es ist, mit Gott groß zu werden oder unterstützen in der kirchlichen Verwaltung die praktische Arbeit vor Ort. Diejenigen Mitglieder, die sich nicht aktiv im Gemeindleben engagieren, sind ebenfalls wichtige Stützen unserer Kirche. Sie besuchen die Gottesdienste und Veranstaltungen oder erbitten in besonderen Momenten ihres Lebens den Segen Gottes, wie bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Trauerfeiern. Schließlich ermöglichen sie durch ihren finanziellen Beitrag, dass die Nordelbische Kirche mitten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark für und mit den Menschen leben und arbeiten kann.
Unsere Kirche gründet sich auf den Auftrag, den alle Kirchen in der Welt haben, nämlich das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zur verkündigen. Dies geschieht sichtbar besonders in den sonntäglichen Gottesdiensten, die in den 794 Kirchen und 704 Gemeindezentren gefeiert werden. Doch auch während der Woche werden unzählige Gottesdienste und Andachten gefeiert, beispielsweise in Seniorenheimen und Kindertagesstätten, anlässlich einer Hochzeit oder Beerdigung, beim Landeserntedankfest oder zu Beginn einer Sitzungswoche im Landtag. Neben Gottesdienst und Seelsorge als den zentralen Aufgaben, gibt es weitere Arbeitsfelder, die sich vom zentralen Auftrag ableiten lassen. So leisten wir einen großen Beitrag zum kulturellen Leben in Schleswig-Holstein und Hamburg, allem voran im Bereich der Musik. Unzählige Kinder-, Gospel- oder klassische Kirchenchöre proben Woche für Woche und gestalten ein vielfältiges Konzertprogramm nicht nur in den großen Kirchen der Städte. Konzertreihen mit Orgel und Kammermusik gehören genauso zum nordelbischen Konzertkalender wie Konzerte von Jugendbands und –chören. Ebenso sind wir mit vielen Kirchgebäuden als Konzerträume beim Schleswig-Holstein Musik Festival beteiligt.
Mit unserer Arbeit in Kindertagesstätten, Familienbildungsstätten und unserem Einsatz für den Religionsunterricht an den staatlichen Schulen sind wir als Nordelbische Kirche zudem eine bedeutende Bildungseinrichtung im Land. Auch der Tourismus ist uns ein wichtiges Arbeitsfeld. Viele Kirche stehen vor allem in den Sommermonaten Einheimischen und Gästen jeden Tag offen, an besonderen Urlaubsorten gestalten die Mitarbeitenden von Kirche unterwegs“ Kirche auf Campingplätzen oder am Strand. Der Radfernwanderweg Mönchsweg“ verbindet zwischen Glücksstadt an der Elbe und Fehmarn kirchliche Orte.
Täglich sind wir als Kirche herausgefordert, wie wir das Evangelium Jesu Christi zeit- und situationsgemäß den unterschiedlichen Menschen vermittelten können. Gegensätze wie Stadt und Land, arm und reich, alt und jung zeigen das weite Spektrum auf, in dem wir uns bewegen, arbeiten und leben.
In vielen Dörfern auf dem Land sind die Kirche und der Pastor oder Pastorin die letzte verbliebene öffentliche Institution, die auch tagsüber während der Woche vor Ort ist. Die Kirchengemeinde im Dorf strahlt auf die gesamte Dorfgemeinschaft aus. Dies zeigt sich auch daran, dass die Finanzierung eines neuen Kirchendachs oder die Restaurierung einer Orgel auch durch Menschen unterstützt wird, die nicht Kirchenmitglieder sind.
In Städten erleben wir die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen auf engem Raum. In einem sozialen Brennpunkt sieht das Angebot daher anders aus als in einem bürgerlichen Stadtteil. Die Sozialkirche in Kiel-Gaarden unterscheidet sich in ihrer Arbeit von der Arbeit der Stadtkirche in Husum. Doch allen Gemeinden gemeinsam sind die Begeisterung für das Evangelium und der Einsatz für die Menschen vor Ort.
Die diakonische Arbeit der Nordelbischen Kirche zeigt sich auf unterschiedliche Weise. In den Gemeinden sind es vor allem kleine Projekten, wie beispielsweise ein Besuchsdienst für kranke Gemeindeglieder. Darüber hinaus arbeitet die Diakonie als sozialer Dienst der evangelischen Kirche. In den Diakonischen Werken Schleswig-Holsteins und Hamburgs sind 1 088 diakonische Vereine und Einrichtungen organisiert, in denen mehr als 46 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hauptamtlich beschäftigt sind. Damit sind die beiden Diakonischen Werke jeweils der größte Wohlfahrtsverband in ihrem Bundesland. Zusätzlich engagieren sich viele tausend Ehrenamtliche in der Diakonie. Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein ist der Umfang der Dienstleistungen der Diakonie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Die Diakonie versteht ihren Auftrag als gelebte Nächstenliebe in der Nachfolge Jesu Christi. Sie ist im Jahr 1848 aus der Bewegung gegen Armut und Not gegründet worden. Heute bietet die Diakonie Hilfe für Pflegebedürftige, für Menschen mit Behinderung, für Kinder, Jugendliche und Familien, für Suchtkranke, Flüchtlinge und aus der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen. Sie betreibt beispielsweise für Menschen mit Behinderung Einrichtungen zum Wohnen und Werkstätten zum Arbeiten. Viele Menschen mit Behinderung unterstützt die Diakonie auch zu Hause. Zur Diakonie gehört die Diakonie Katastrophenhilfe und die Aktion Brot für die Welt“, die in den Ländern des Südens über tausend Hilfsprojekte betreibt.
Auch wenn unsere Kirche kein Wirtschaftsunternehmen ist, ist sie doch eine bedeutende Wirtschaftskraft im Land. Die finanziellen Beiträge ihrer Mitglieder setzt sie verantwortungsvoll ein, um das Evangelium in Wort und Tat zu verkündigen. So ist die Nordelbische Kirche Arbeitgeberin für mehr als 16 000 Menschen in den Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und übergemeindlichen Einrichtungen. Zudem handelt sie als Auftraggeberin für lokale und regionale Unternehmen. Kirchen und Gemeindehäuser werden von lokalen Handwerksbetrieben saniert oder Computersysteme von Menschen aus der Region gewartet.
Unser christliches Leben macht nicht an den Grenzen unserer Kirche halt. Ökumene leben wir sowohl vor Ort mit unseren Glaubensgeschwistern der katholischen Kirche und der Kirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Intensive Beziehungen haben wir zu den dänischen Kirchengemeinden in Südschleswig und in Jütland sowie zu Partnerkirchen im Baltikum, in England, in Asien, Afrika und Amerika.
Damit das Leben und das Arbeiten der evangelischen Christinnen und Christen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft durch hilfreiche Strukturen unterstützt werden, haben die drei evangelischen Kirchen im Norden beschlossen, eine gemeinsame Kirche zu bilden. Wenn die Synoden zustimmen, bildet sich Pfingsten 2012 aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Evangelischen Kirche eine neue Evangelische Kirche im Norden. Mit dieser ost-west übergreifenden Landeskirche möchten wir eine Struktur schaffen, die es uns auch in Zukunft ermöglicht, nahe an den Menschen in Dorf und Stadt, in Familie und Beruf, in Alltag und Freizeit zu sein.
Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche
für Arbeiten und Leben in Schleswig-Holstein – Edition 2010“ - Hrsg. von der Studien- und Fördergemeinschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft e.V.
Zentrale Auskunft
Amt für Öffentlichkeitsdienst
Königstraße 54
22767 Hamburg
Tel.: 040 30620-1100
afoe@nordelbien.de
www.afoe-nordelbien.de
Verfassung, Gesetze, Verordnungen
Die Online-Ausgabe der Rechtssammlung "Das Recht der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche" ist kostenfrei verfügbar.
Die Kontaktdaten für die Bestellung lauten:
Sekretariat des Dezernates R (Recht, Archiv)
- Nordelbisches Kirchenamt -
Dänische Straße 21-35
24103 Kiel
Telefon: 0431 9797-851/-769
Fax: 0431 9797-869
E-Mail: recht.nka@nordelbien.de
